Die „Integrationskostenquote“ – Eine zentrale, aber oft übersehene Kennzahl der Robotik-Planung

In der Diskussion über die Wirtschaftlichkeit von Roboterlösungen taucht immer wieder eine bestimmte Daumenregel auf: die sogenannte Integrationskostenquote. Dieser Begriff beschreibt ein klassisches Kostenverhältnis in unserer Branche, wonach die reinen Anschaffungskosten für den Roboterarm oft nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Die eigentliche Investition liegt in der Integration – also in Engineering, Peripherie, Sicherheitstechnik und Programmierung.

Obwohl diese Regel in der Praxis allgegenwärtig und ein zentrales Planungsprinzip ist, gibt es für sie keine einheitlich geführte, offizielle Statistik. Stattdessen wird sie von führenden Forschungsinstituten und Verbänden immer wieder referenziert und bestätigt.

Woher stammt diese Kenngröße?

Die fundierteste deutschsprachige Quelle, die dazu kürzlich recherchiert wurde, ist der Artikel „Abschätzung der Wirtschaftlichkeit für MRK-Anwendungen“ von Rally und Scholtz, erschienen 2020 in der Zeitschrift ZWF (Carl Hanser Verlag). Dieser Beitrag basiert auf dem Fraunhofer-Forschungsprojekt ROKOKO und zitiert seinerseits die etablierten Primärwerke, die diese Kostenregel geprägt haben:

  1. Bauer, Wilhelm et al. (2016): „Leichtbauroboter in der manuellen Montage – einfach einfach anfangen.“ Dieses Standardwerk des Fraunhofer IRB Verlags gilt als grundlegende Referenz und bietet praktische Methoden zur Investitionsabschätzung unter Berücksichtigung dieser Quote.
  2. Reinhardt, Gunther; Magaña Flores, Alejandro; Zwicker, Carola (2018): „Industrieroboter – Planung – Integration – Trends.“ Ein Leitfaden speziell für KMU, der die wirtschaftlichen Aspekte der Integration detailliert behandelt.
  3. Hägele, Martin (2017): „The Robotics Market: Latest Statistics and Insights.“ Ein Beitrag, der in einem Konferenzband zur ROS-Industrial Conference erschien und Marktstatistiken sowie wirtschaftliche Kennzahlen beleuchtet.

Interessant ist, dass diese betriebswirtschaftliche Annahme auch auf internationaler Ebene Einzug gehalten hat. Die wissenschaftliche Publikation „A survey of the IFR database and its applications“ von Klump et al. (2021) weist darauf hin, dass auch die International Federation of Robotics (IFR) diese Regel in ihren eigenen statistischen Analysen und Marktbetrachtungen verwendet.

Was bedeutet das für die Praxis?

Diese Quellenlage unterstreicht: Die Integrationskostenquote ist kein Mythos, sondern ein etabliertes Verhältnismäßigkeitsprinzip, das bei einer seriösen Wirtschaftlichkeitsberechnung unbedingt berücksichtigt werden muss. Eine realistische Planung sieht den Roboter nicht als isoliertes Gerät, sondern als Kernstück eines gesamten Arbeitssystems.

Wer also mit dem Gedanken an eine Roboterintegration spielt, sollte von Anfang an ein Budget im Blick haben, das deutlich über den Listenpreis des Roboterarms hinausgeht. Eine professionelle Planung und Projektierung, die alle Posten – von der mechanischen Anpassung über die Sicherheitskonzepte bis zur Inbetriebnahme – einkalkuliert, ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen und wirtschaftlichen Automatisierungslösung.

Fazit: Die Quintessenz für alle Planer und Entscheider lautet: Der Roboter ist die Eintrittskarte, die Integration ist die eigentliche Reise. Eine transparente und frühe Auseinandersetzung mit den gesamten Lebenszykluskosten bildet die Basis für jede zukunftssichere Investition in die Robotik.

Hinweis: Dieser Blogbeitrag fasst recherchierte Informationen aus wissenschaftlichen und anwendungsnahen Publikationen zusammen und dient der allgemeinen Information bei der Projektplanung.

Leave a Comment